ECCE HOMO

Ecce Homo, Nimbus, 2017

Auf meiner Reise gehe ich in die Tiefe meiner menschlichen Seele, um ein Verständnis dafür zu erhalten, wer ich bin und was ich von meinem Dasein erwarten kann. Auch weil meine Vergangenheit mit unrühmlichen Taten geschmäht ist. Ich gehe der Frage nach, welche Dynamik das Leben in den verschiedenen Zyklen des Daseins annimmt und wie diese beeinflusst wird. In mir lassen sich Spuren fundamentaler Glaubensansätze finden, die mein Sein ständig bekehren wollen. Immer verbunden mit dem Streben nach Lichtwerdung und Erwachung.

Innerlich herrscht in mir eine merkwürdige Aufbruchstimmung aus Unzufriedenheit und glühendem Pathos. Ich schöpfe aus einem moralischen Bankrot. Die gesellschaftliche Genusssucht breitet ihre Tentakel in mir aus und eine grosse Müdigkeit befällt mein Werden. In allen Schichten meiner selbst gibt es die heisse Sehnsucht aus dem Verstandesmächtigem herauszukommen und in eine Unmittelbarkeit niederzugehen. Die ganze Zivilisation von heute empfinde ich als Kälte und Finsternis. Und was mir als Religion angeboten wird, ist nichts als ein System von Gedanken über das man verschiedener Meinung sein kann. Dieser Weg des Werdens entstand in mir aus tiefster Not, als es mit mir nicht mehr weiterging. In mir ist eine Lichtgestalt entstanden, die immer dann entsteht, wenn man in tiefste geistige, seelische und körperliche Not gelangt.

Es ist von der Seelenwelt heraus vorbestimmt den Kampf gegen den Stillstand zu führen, mein Sein in dieser Welt zu retten und so eine Lichtgestalt in mir, die Inkarnation, zu finden.
Ich frage mich, wo wird unser Denken durch Mythen erweitert und wo begraben? Wann schlägt Spirituelle suche in Fanatismus und Gewalt um? Auf der Suche nach einer verlorenen spirituellen Wurzel, in einer Zeit, wo alte Ordnungen zusammenbrechen und Neues noch nicht greifbar ist. Keusche Heroen gegen eine Welt der Dekadenz.

2017